Beim Betriebsarzt


– Name und Vorname?
– Erich Popp
– Wie alt sind Sie?
– In zwei Monaten werde ich 67.
– Und warum sind Sie hier?
– Meine Firma hat mich zur Gesundheitsuntersuchung geschickt. Noch zwei Monate bis zur Rente – also muss ich weiterarbeiten.
– Hören Sie gut?
– Was haben Sie gesagt?
– Ich frage, ob Sie gut hören können.
– Auf einem Ohr höre ich schlecht, auf dem anderen fast gar nichts.
– Aha … Gehör völlig in Ordnung.
– Sehen Sie gut?
– Mit Brille schon.
– Und wo ist Ihre Brille?
– Verloren.
– Und wie suchen Sie sie?
– Ohne Brille sehe ich doch nichts!
Der Arzt zeigt ihm einen Test: eine Katze, einen Hund, eine Kuh und einen Ventilator.
– Streichen Sie bitte das durch, was nicht dazugehört.
Erich streicht die Katze durch.
– Warum die Katze?!
– Ganz einfach: Der Hund und die Kuh haben den Ventilator mitgebracht, damit sie sich abkühlen können. Die Katze stört nur!
Der Arzt wird langsam nervös.
– Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig?
– Die gelben, die grünen und die blauen.
– Nach Farben sortiert?
– Ja. Ich verliere ständig meine Brille und kann die Packungen deshalb nicht lesen.
Der Arzt bemerkt ein Armband an Erich Handgelenk.
– Und wofür ist das Armband?
– Falls ich irgendwann vergessen sollte, wer ich bin und wo ich wohne. Dann kann man mich wenigstens nach Hause bringen.
Der Arzt atmet tief durch.
– Und für welchen Beruf brauchen Sie diese Untersuchung?
– Für meinen Führerschein.
– Für welchen Führerschein?
– Für den Busführerschein.
– SIE FAHREN BUS?!
– Ja. Stadtbus.
– Sind Sie etwa der Fahrer, der letzten Monat mit einem voll besetzten Bus auf den städtischen Bauhof gefahren ist und dort alle Fahrgäste rausgelassen hat?!
– Ja, das war ich.
– ABER WARUM?!
– Ich war mir nicht sicher, ob ich für den öffentlichen Nahverkehr oder für die Stadtreinigung arbeite. Ich hatte noch nicht alle Tabletten genommen.
Der Arzt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
– UM HIMMELS WILLEN! Wer lässt Sie denn überhaupt noch einen Bus fahren?!
Erich bleibt ganz ruhig:
– Die Regierung und der Bundeskanzler. Das Gesetz sagt, dass ich bis 67 arbeiten muss.
Der Arzt schaut ihn fassungslos an:
– Und Sie halten die für verrückt?
Erich schüttelt den Kopf.
– Nein. Die und ihre Kinder fahren schließlich nicht mit dem Bus.

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